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Die Praxis des Verfahrens - Beziehung zwischen Anwältin und Klientin, Gegenanwältin und Richterin

Votrag von Lia Cigarini anlässlich des FRI Exchange #19 in Bellinzona vom 5. Mai 2018 (aus dem Italienischen von Traudel Sattler):

Ich möchte hier ganz kurz die Geschichte des Juristinnenkollektivs Mailand darstellen, denn ich denke es ist nützlich, die verschiedenen Momente unserer Geschichte und die Entscheidungen, die wir getroffen haben, zu kennen.

Ausgegangen sind wir von unserer eigenen Beziehung zum Recht, denn unsere Gruppe setzte sich ja aus Anwältinnen und Richterinnen zusammen. Unsere Leidenschaft für das Rechtswesen war allerdings durch einen Widerspruch gelähmt: Wir waren Anwältinnen und Richterinnen und wollten also den Beruf, den wir gewählt hatten, gut machen, doch gleichzeitig standen wir einigen vorgegebenen juristischen Instrumenten mit einem Gefühl der Fremdheit gegenüber. Dieses Gefühl der Fremdheit war gerade durch die Verortung der Frauen im Recht bedingt. Die Frauen waren und sind nämlich in- und außerhalb des Rechts verortet, d.h. sie sind Objekt von Rechtsvorschriften, aber sie tragen den Namen ihres Vaters bzw. Ehemanns. Darüber hinaus haben wir Gleichstellungsgesetze, welche die zentrale Rolle des männlichen Rechts bestätigen, aber einen Widerspruch darstellen zu den zahlreichen Gesetzen zum Schutz der spezifischen Belange der Frau.  Mein Fazit zu diesem Punkt: Die Beziehung zwischen Frauen und Männern ist bereits im Recht eingeschrieben, aber in einer Form, die die Frauen völlig an den Rand drängt.

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